fbpx

Vorreiter sein

Vorreiter sein

Mit VoIP-(Internet)-Telefonie gab MIXvoip die Richtung vor – Lëtzebuerger Journal2 FotoszoomMit VoIP-(Internet)-Telefonie gab MIXvoip die Richtung vorSANDWEILER
MARCO MENG
Loïc Didelot hatte vor Jahren eine gute Idee und glaubte daran – Heute eifern andere ihm nach
Stellt man sich einen Unternehmenschef vor, der zehn Angestellte hat, so entspricht Loïc Didelot erst einmal nicht diesem Bild. Auf der Schule hatte der Luxemburger Hobby-Handballer keine Informatik, sondern nur etwas mit Word und Excel gearbeitet, den Rest brachte er sich danach über Bücher und Internet selbst bei. „Wenn man das Interesse mitbringt, geht das“, erklärt der Jungunternehmer im Gespräch mit dem „Journal“.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine eigene Firma zu gründen?

Loïc Didelot Nach dem Gymnasium ging ich auf die Universität, wo ich aber schnell merkte, dass das nicht meines war. Ich brach das Studium ab, suchte mir eine Arbeit, die sehr interessant war, und irgendwann sagte ich mir dann: Ich will mehr Entscheidungsgewalt und meine Ideen umsetzen. So startete ich vor sechs Jahren MIXvoip. Wir bieten Businesstelefonanlagen Made in Luxemburg vor allem für Unternehmen an.

Sich selbständig zu machen ist aber nicht unbedingt leicht

Didelot Es ist ein finanzielles Risiko, ganz klar, aber ich glaube, in Luxemburg ist der Staat sehr gut organisiert, und wenn es nicht klappt, gibt es immer noch Auffangstrukturen: Man fällt also nicht ins Bodenlose, wenn man scheitern sollte.

Wie fing es an?

Didelot Ich hatte die Geschäftsidee mit einigen Bekannten besprochen. Manche von ihnen waren überzeugt und investierten. Als wir das Anfangskapital von achtzigtausend Euro zusammen hatten, ging es los. Anfangs hatte ich ein Büro in Strassen mitbenutzen dürfen, wo ich nicht viel mehr als einen Tisch und einen Stuhl hatte. Mittlerweile sind wir nach Sandweiler umgezogen, ideal gelegen, unweit der Hauptstadt und zentral im Land. Jetzt habe ich zehn Mitarbeiter, und wir haben zusätzlich noch eine Entwicklungsfirma in Bulgarien, wo sechs Entwickler für uns arbeiten.

Starthilfe von Banken oder Staat wollten Sie nicht?

Didelot Banken sind bei Startups ein schwieriges Thema. Von Banken bekommt man Geld, wenn man Geld hat. Die verleihen es, aber auch nur, wenn man Garantien hat. Ohne Sicherheiten kein Geld. Eine gute Idee reicht da eben nicht aus. Wenn man sich selbständig macht, geht man ein gewisses Risiko ein. Wenn ich das nun selbst schultere, kann ich scheitern, aber wenn ich zusätzlich noch etwas bei der Bank unterschrieben habe, habe ich dort auch noch Verpflichtungen. Das macht das alles noch schwieriger, finde ich. Vom Staat erhielt ich keine finanzielle Starthilfe; hier war es eher die Stabilität, die half. Die Gewissheit zu haben, wenn es nicht klappt, werde ich doch irgendwie wieder Boden unter die Füße bekommen und nicht verhungern. Allein dieses Wissen hat mir geholfen.
Auch Bürokratie schreckt viele vor dem Schritt in die Selbständigkeit ab.

Didelot Ja, das regt einen täglich auf. Am Anfang war das ehrlich gesagt schlimm, heute habe ich mich mehr oder weniger daran gewöhnt, auch wenn Papierkram und Formulare zeitraubend sind. Wir selbst haben in der Firma wenig Papier, und ich denke schon, dass das Bürokratische, gerade am Anfang, eine große Hürde ist. Das könnte einfacher sein, denke ich.

Jetzt sind Sie nicht nur selbständig, sondern haben auch Angestellte. Das ist eine große Verantwortung.

Didelot Ja, das ist schon eine Challenge. Am Anfang ging es vor allem darum, das Produkt zu entwickeln. Jetzt mit zehn Mitarbeitern, das ist eine Aufgabe, die man nach und nach lernen muss. Das ist schon eine größere Herausforderung. Von den zehn Mitarbeitern sind drei übrigens älter als ich selbst.

Und wie sieht es mit dem Konkurrenzdruck aus?

Didelot Konkurrenz ist da. Am Anfang gab es deswegen auch viele Leute, die mir abrieten, ein Unternehmen zu gründen, und sagten: „Das gibt es doch schon“ und so weiter. Aber wer entwickelt heute noch eine Idee von etwas, was es noch überhaupt nicht gibt? Wenn jemand Schokolade macht, die sauer schmeckt, das gibt es vielleicht schon irgendwo, aber wenn ich es besser mache, habe ich garantiert auch meinen Markt.

Konkurrenzdenken ist also nicht unbedingt negativ. Man muss nicht das Rad neu erfinden, aber man kann Dinge entwickeln und verbessern. Es gibt Mercedes, und trotzdem überlebt BMW und umgekehrt. Man darf keine Angst haben. Wir haben unsere Nische gefunden, wir haben unsere Kunden gefunden, weil wir sehr früh mit virtuellen Telefonanlagen und Cloudlösungen gearbeitet haben. Damit waren wir hier die ersten am Markt. Zuerst haben wir die Standard-Telefonie durch Internet-Telefonie ersetzt, jetzt haben wir eine Spin-off gegründet und bringen Business-Telefonie aufs Smartphone, wozu wir auch ein Patent anmeldeten. Zusätzlich wird mehr Sicherheit nachgefragt, Verschlüsselungstechniken und so weiter, woran wir ebenfalls stets arbeiten.

Wer sind Ihre Kunden?

Didelot 95 Prozent unserer Kunden sind Unternehmen, das reicht von einem oder zwei Telefonen bis hin zu 150 bis 200 Telefonen. Wir schicken Rechnungen in acht verschiedene Länder, von Russland bis Curaçao, aber die meisten Kunden haben wir freilich in Luxemburg, gefolgt von Belgien, Deutschland und Frankreich. Die Kunden in Luxemburg zu gewinnen war etwas anderes als sie dort zu gewinnen, wo niemand einen kennt. Durch die Investoren, die mir von Anfang an zur Seite standen, hatte ich gute Kontakte, und Luxemburg ist ja ein überschaubares Land; jetzt wäre eine Expansion auf dem belgischen oder dem deutschen Markt sehr interessant. Daran arbeiten wir.